Die schlafenden Riesen Nordafrikas blicken auf ein Vermächtnis, das durch 2026 definiert wird
Von der „Schande von Gijón“ bis kurz vor das Viertelfinale 2014 – Algeriens WM-Reise ist geprägt von Drama und Trotz. Jetzt bauen sich die „Fennec Foxes“ für eine historische Rückkehr nach Nordamerika neu auf.
Ein Vermächtnis, gemeißelt aus Trotz
Algeriens Beziehung zur FIFA World Cup ist vielleicht emotionaler aufgeladen als die jeder anderen afrikanischen Nation. Es ist eine Geschichte, die nicht nur durch Tore definiert wird, sondern durch einen Sinn für Gerechtigkeit und das unermüdliche Streben nach Respekt auf der Weltbühne. Während ihr Trophäenschrank zwei Titel des Africa Cup of Nations vorweist, bleibt die Weltmeisterschaft die Grenze, an der die „Fennec Foxes“ beständig über ihre Verhältnisse gepunktet haben.
Die Geschichte beginnt eigentlich 1982. Bei ihrem Debüt in Spanien sorgte Algerien für eine der größten Überraschungen der Fußballgeschichte, indem sie den amtierenden Europameister West Germany mit 2:1 besiegten. Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi wurden über Nacht zu Legenden, doch der Triumph schlug durch die berüchtigte „Schande von Gijón“ in eine Tragödie um. Ein für beide Seiten vorteilhafter 1:0-Sieg für West Germany gegen Austria im letzten Gruppenspiel brachte beide europäischen Teams auf Kosten Algeriens weiter. Dieser Skandal zwang die FIFA dazu, ihre Regeln zu ändern, um sicherzustellen, dass die letzten Gruppenspiele gleichzeitig ausgetragen werden. Für Algerien hinterließ dies jedoch eine bleibende Narbe und den brennenden Wunsch nach Wiedergutmachung.
Ikonische Figuren und der Höhepunkt 2014
Algerischen Fußball zu verstehen bedeutet, seine Meister zu verstehen. Rabah Madjers Hackentrick bleibt der ästhetische Goldstandard, während die elegante Spielweise von Lakhdar Belloumi die Ära der 1980er Jahre prägte. In der Neuzeit haben Namen wie Riyad Mahrez und Islam Slimani diese Fackel weitergetragen und europäische taktische Disziplin mit dem rohen Straßenfußball-Flair vermischt, das Algiers und Oran eigen ist.
Ihre kompletteste Leistung zeigten sie 2014. Unter Vahid Halilhodžić erreichte der Kader zum ersten Mal die K.o.-Runde. Sie demontierten South Korea in einem 4:2-Krimi und begegneten dem späteren Weltmeister Germany im Achtelfinale auf Augenhöhe. Erst in der Verlängerung und durch die Reflexe von Manuel Neuer konnten die Deutschen einen knappen 2:1-Sieg erringen. Jene Nacht in Porto Alegre bewies, dass Algerien nicht nur dazugehörte, sondern eine legitime Bedrohung für die Weltelite darstellte.
Der Fahrplan nach 2026
Nach dem herzzerreißenden Scheitern in der Qualifikation für Qatar 2022 – durch ein Tor in letzter Minute gegen Cameroon, das die Nation in Trauer versetzte – hat sich der Fokus vollständig auf das erweiterte Format mit 48 Teams im Jahr 2026 verlagert. Die Qualifikationslandschaft hat sich verändert und bietet Afrika neun garantierte Plätze – ein Faktor, der ein Fehlen Algeriens für ihre Fans fast undenkbar macht.
Der Wiederaufbauprozess unter Vladimir Petković signalisiert einen philosophischen Wandel. Der Kader durchläuft derzeit eine Übergangsphase, in der man sich von den alternden Helden von 2019 entfernt und eine neue Welle von franco-algerischen Doppelstaatsbürgern integriert. Spieler wie Rayan Aït-Nouri und Amine Gouiri repräsentieren die Zukunft: technisch begabt, vielseitig und hungrig darauf, sich auf der nordamerikanischen Bühne zu beweisen.
Die Qualifikation ist in Afrika niemals eine Formsache, aber die Fennec Foxes haben ihre Kampagne mit der nötigen Kaltschnäuzigkeit begonnen. Das Ziel ist nicht bloß das Erreichen der United States, Mexico und Canada, sondern sicherzustellen, dass man hoch genug gesetzt ist, um einem „Group of Death“-Szenario zu entgehen.
Erwartungen und der nordafrikanische Geist
Was erwarten die Fans für 2026? Schlichtweg: mindestens ein erneutes Erreichen des Achtelfinales. Die algerische Diaspora in Nordamerika ist beträchtlich, und das Team erwartet, vor lautstarkem, parteiischem Publikum in Städten wie Toronto oder New York zu spielen. Es herrscht das Gefühl vor, dass die aktuelle Generation über mehr Tiefe verfügt als der Kader von 2014, selbst wenn ein einzelner Superstar auf dem Höhepunkt von Riyad Mahrez’ Zeiten bei Leicester City fehlt.
Die Erwartung ist, dass Algerien sich vom reaktiven Defensivfußball löst, der oft mit Außenseitern assoziiert wird. Sie wollen die Spiele kontrollieren. Mit dem erweiterten Format ist der Weg ins Viertelfinale – ein Kunststück, das bisher nur vier afrikanischen Nationen gelang – das unausgesprochene Ziel. Für eine Nation, die 1982 die Spielregeln veränderte, bietet 2026 die Chance, endlich ein Kapitel zu schreiben, das mit einer Jagd auf die Trophäe endet und nicht mit der Frage: „Was wäre wenn?“
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